Einstieg
Menschenrechte sind einfach zu verteidigen, solange sie den eigenen Leuten gelten. Schwieriger wird es dort, wo sie Menschen schützen, die einem fremd sind, unbequem erscheinen oder politisch nicht ins eigene Weltbild passen.
Genau dort beginnt dieses Dossier. Es fragt nicht nur, wer sich auf Rechte beruft, sondern auch, wem diese Rechte im politischen Alltag abgesprochen werden. Ausländerinnen und Ausländer, Geflüchtete, Armutsbetroffene, Menschen mit Behinderungen, queere Menschen, religiöse Minderheiten oder politisch Andersdenkende werden nicht immer offen entrechtet. Häufig geschieht es schleichender: durch Sprache, durch Verdacht, durch ständige Problematisierung und durch die Erzählung, sie seien Belastung, Gefahr oder Missbrauchsfall.
Der Titel „Rechte Menschen – Menschen Rechte“ ist deshalb bewusst doppeldeutig. Er verweist auf Menschen aus dem rechten politischen Spektrum, aber auch auf die Frage, welche Rechte Menschen überhaupt haben sollen, wenn sie nicht zur bevorzugten Mehrheit gehören. Die entscheidende Spannung liegt dort, wo politische Akteure Freiheit, Würde und Selbstbestimmung für sich beanspruchen, sie anderen aber nur eingeschränkt zugestehen.
Im Zentrum steht nicht die moralische Abrechnung mit einzelnen Personen. Im Zentrum steht die Analyse von Mechanismen: Wie entstehen Feindbilder? Welche Begriffe werden verschoben? Wann wird Kritik zur Entmenschlichung? Und wie lässt sich eine demokratische Gesellschaft daran messen, wie sie mit jenen umgeht, die gerade nicht populär sind?
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